Nächster Vorschlag

Einleitung

Was ist Citizen-Science?

Citizen-Science oder Bürgerforschung gibt es schon lange.  Citizen-Science beschreibt die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell gebunden sind (Bonn et al 2016; Grünbuch Citizen-Science; siehe Box 1).

weiterlesen

Einleitungstext für Annotation

Infografik zum Ablauf der Annotationsgrafik

Markieren Sie eine Textstelle. Es erscheint nun ein Button "Kommentieren" über den Sie zur fraglichen Textstelle einen Kommentar verfassen können. Sie können den Kommentar dann einer Kategorie von drei Kategorien zuordnen.

Mit einem Klick auf eine farblich markierte Stelle im Text können sich den dazugehörigen Kommentar anzeigen zu lassen.

Kernbotschaften

Das Weißbuch Citizen Science Strategie 2030 stellt eine Strategie mit Handlungsempfehlungen für Deutschland vor, die Citizen Science bis 2030 stärkt, um die Innovationspotenziale für Wissenschaft, Gesellschaft und Politik entfalten zu können. Dazu wurden im Weißbuch 15 wegweisende Handlungsfelder identifiziert. Jedes Handlungsfeld zeigen konkrete Ziele und zentrale Ansatzpunkte auf, wie Citizen-Science in Deutschland zu wichtigen Zielen in Politik, Gesellschaft und Wissenschaft beiträgt und wie diese bis zum Jahr 2030 intensiver verankert werden können (Abb. 1).
Die Inhalte des Weißbuchs wurden von der AG Weißbuch, einem Konsortium der Helmholtz- Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft zusammen mit universitären und außeruniversitären Partner:innen auf Basis des Grünbuchs entwickelt. Über 150 an Citizen-Science interessierten Personen aus mehr als 115 Organisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Fachgesellschaften, Vereinen und Verbänden, Stiftungen und Einzelpersonen entwickelt. Die AG Weißbuch mit Expert:innen aus x Organisationen und dem Lenkungskreis mit Mitgliedern aus fünf Organisationen begleitete den Entstehungsprozess des Weißbuchs mit über 50 AG Treffen, zwei öffentlichen Dialogforen und zwei Schreibwerkstätten von April 2020 bis Mai 2021 (vgl. Abb. 10 “Entstehungsprozess Weißbuch”). Auch über die digitalen Veranstaltungen hinaus waren viele Menschen als Träger:innen des Weißbuch-Entwicklungsprozesses beteiligt: so wurde das Weißbuch durch eine bundesweite öffentliche Online-Konsultation im Juli 2021 mit x Beiträgen und durch x Positionspapiere ergänzt. Gefördert wurde der Prozess durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU).

Die 15 Handlungsfelder des Weißbuchs

 

Abb.1: Die 15 Handlungsfelder des Weißbuchs

Kernaussagen und Leitbilder für jedes Handlungsfeld

Für jedes Handlungsfeld sind in einer Kernaussage die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst und Stärken, Bedürfnisse, Möglichkeiten und Herausforderungen herausgearbeitet. Für jedes Handlungsfeld werden in einem Leitbild die Visionen für das Jahr 2030 skizziert.

Vernetzung und Austausch
 1. Vernetzung und Austausch

 

Wir beobachten eine zunehmende Vernetzung von Citizen-Science-Akteur:innen und einen vermehrten, vertieften Austausch innerhalb der Citizen-Science-Community. Der Austausch unter den Kolleg:innen innerhalb und zwischen Organisationen ist wesentlich für die Wissens- und Erfahrungsweitergabe zu Citizen-Science.

 

Leitbild: Im Jahr 2030 lebt Citizen-Science durch eine Vernetzung und den Austausch zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Die Vernetzung und der regelmäßige Austausch werden weiter gefördert: Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Synthese,  der Weitergabe und dem Austausch der Expertise zur Initiierung, Koordination und Durchführung von Citizen-Science-Projekten und dem damit verknüpften Erfahrungswissen.

 Förderinstrumente

 

 

 2. Förderinstrumente

 

 

Die Anerkennung von Citizen-Science als Bestandteil in Forschung und Förderung und das Angebot an Citizen-Science-Förderinstrumenten hat zugenommen. Der Förderbedarf wird jedoch noch nicht annähernd gedeckt (z.B. kann die BMBF Förderrichtlinie Bürgerforschung mit 15 geförderten Projekten nur ein Anfang sein). Eine wichtige Rolle spielen niedrigschwellige Förderangebote, die nur selten angeboten werden. Es fehlen spezifische Angebote wie Anschub- und Abschlussförderung, um Finanzierungslücken zu überbrücken. Das Angebot im Kapazitätsaufbau (Beratung, Schulung, Aus- und Weiterbildung) sollte eine Stärkung erfahren - auch strukturell - sowie die Förderung für Koordinationsstellen in zivilgesellschaftlichen Vereinen und an Universitäten und außeruniversitären Forschungsorganisationen ausgeweitet werden.

Leitbild: Im Jahr 2030 wird Citizen-Science durch alle Akteur:innen in Wissenschaft, Gesellschaft, Behörden und Praxis durch strukturelle und finanzielle Maßnahmen unterstützt (z.B. Bundes- und Landesministerien und nachgeordnete Behörden und Verwaltungen, Forschungs(förder-)organisationen, Stiftungen, Vereine, Netzwerke, Bildungseinrichtungen). Förderorganisationen integrieren Citizen-Science in ihr Förderportfolio aus Instrumenten, Formaten und Maßnahmen für verschiedenste Akteur:innen aus Gesellschaft und Forschung. Voraussetzung sollten immer qualitätsgesicherte Verfahren und Standards durch regelmäßige Evaluationen sein, die sich an die Regeln der guten wissenschaftlichen Praxis anlehnen. Dies schafft eine größere gesellschaftliche Teilhabe an Wissenschaft und erhöht deren Akzeptanz und Relevanz.

 

3. Freiwilligenmanagement
3. Freiwilligenmanagement

 

Eine gelungene Organisation und Koordination von Citizen-Science-Projekten ist Grundvoraussetzung für die erfolgreiche Einbindung von Bürger:innen. Citizen-Science-Projekte brauchen ausreichend personelle und finanzielle Kapazitäten für das Freiwilligenmanagement, um zu begeistern, zu leiten und Feedback zu geben. Das Management der Freiwilligen kann innerhalb der Projekte geschehen oder in Zusammenarbeit mit etablierten Freiwilligenverbänden und -initiativen.

Leitbild: Im Jahr 2030 zeichnen sich Citizen-Science-Projekte durch ein professionelles Freiwilligenmanagement aus. Beteiligten aus allen Bereichen der Gesellschaft wird eine erfolgreiche und nachhaltige Teilhabe ermöglicht. Dafür werden Personalressourcen und Finanzen in den Projekten bereitgestellt und eine Anbindung an etablierte Freiwilligenstrukturen ermöglicht. Lokale und regionale Akteur:innen, Verbände und Stiftungen im Bereich Freiwilligenmanagement sowie lokale und regionale Medien arbeiten gezielt in Freiwilligenrekrutierung und -management zusammen. Gemeinsam führen sie bedarfs- und zielgruppengerechte Aus- und Weiterbildungen in Citizen-Science-Projekten durch. 

Synergien mit der Wissenschaftskommunikation

 

 

4. Synergien mit der Wissenschaftskommunikation

 

Citizen-Science ist ein Forschungsansatz und kein Format der Wissenschaftskommunikation im Sinne der (zusätzlichen) Öffentlichkeitsarbeit. Wissenschaftskommunikation spielt eine entscheidende Rolle für das Gelingen eines Citizen-Science-Projektes. Gute Kommunikation hilft z. B. Teilnehmende für das Projekt zu gewinnen, eine gemeinsame Basis zwischen den beteiligten Expertengruppen zu schaffen und die Ergebnisse des Projekts zu kommunizieren. Strategische und evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation stärkt das integrative und partizipative Potential der Zusammenarbeit zwischen Forscher:innen und Bürger:innen und macht es sichtbar.

Leitbild: Im Jahr 2030 ist die strategische und evidenzbasierte Wissenschaftskommunikation integraler und grundlegender Bestandteil in Citizen-Science-Projekten. Die Grundlage für Wissenschaftskommunikation bildet eine Verständigung und Diskussion zu den Werten und Leitlinien von Citizen-Science unter Einbeziehung  unterschiedlicher Akteur:innen (z. B. Praktiker:innen, Zivilgesellschaft und Wissenschaft). Die Wissenschaftskommunikation nutzt das integrative und partizipative Potential von Citizen-Science, um einen Dialog zwischen Gesellschaft und Wissenschaft zu ermöglichen.  Aus-, Fort -  und Weiterbildungen sowie unterstützende Schnittstellen an den Institutionen können den Citizen-Science-Aktiven helfen, die angestrebten Kommunikations- und Wirkungsziele zu erreichen.

 

Anerkennungskultur in und für Citizen-Science

 

5. Anerkennungskultur in und für Citizen-Science

 

 

Für den Erfolg und die Aufrechterhaltung der Beteiligung an Citizen-Science-Vorhaben ist Anerkennung und Wertschätzung in und für Citizen-Science essentiell. Um Anerkennung und Wertschätzung zu etablieren und auszubauen, sind diese zielgruppenspezifisch auf individueller, politischer und formaler Ebene zu entwickeln und anzuwenden. Bereits etablierte und wirksame Instrumente der Anerkennung sind weiterhin zu stärken und neue Instrumente der Anerkennung einzurichten. 

Leitbild: Im Jahr 2030 werden zielgruppenspezifische Instrumente der Anerkennung und Wertschätzung in und für Citizen-Science in der Praxis von Citizen-Science angewandt und hinsichtlich ihrer Wirksamkeit evaluiert.  Die bisherigen Instrumente der individuellen Anerkennung und Wertschätzung sind auf die Bereiche des beruflichen und gesellschaftlichen Umfeldes der Beteiligten erweitert worden. Neue Strukturen und Maßnahmen sind etabliert, die Anerkennung und Wertschätzung für Citizen-Science auch auf der institutioneller und politischen Ebene ermöglichen. Anerkennung und Wertschätzung in Citizen-Science ist mit Wissenschaft und qualitativer Forschung verknüpft und wird als ein Qualitätsmerkmal von Citizen-Science betrachtet. 

 

Datenqualität und Datenmanagement

 

 

6. Datenqualität und Datenmanagement

 

Citizen-Science-Daten bergen ein enormes Potential für Wissenschaft und Gesellschaft. Um dieses voll ausschöpfen zu können, müssen der Zugang, die Qualität und die Nachnutzbarkeit von Citizen-Science-Daten für Wissenschaft und Gesellschaft gleichermaßen gewährleistet sein. Für die Umsetzung von Qualitätssicherungsmaßnahmen, Datenmanagement und für die Forschung zu diesen Themen stehen ausreichend Ressourcen zur Verfügung.

Leitbild: Im Jahr 2030 existieren wiederverwendbare, flexible Methoden und Werkzeuge für die Erhebung, die Qualitätssicherung und -kontrolle, die Analyse, die Archivierung und die Veröffentlichung von Citizen-Science-Daten. Citizen-Science-Daten sind nachhaltig nutzbar,  erfüllen die FAIR-Prinzipien und werden durch allgemein anerkannte Metadatenstandards beschrieben.

 

 Recht und Ethik

 

 

7. Recht und Ethik

 

Eine erfolgreiche und faire Zusammenarbeit in Citizen-Science-Projekten benötigt eindeutige ethische und rechtliche Grundsätze und Rahmenrichtlinien. Ein gemeinsames Grundverständnis eröffnet allen Interessierten aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft gleichermaßen Zugang und Partizipation.

Leitbild: Im Jahr 2030 haben  Citizen-Science-Projekte klare rechtlichen und ethische Leitlinien. Diese Prinzipien und Rahmenregeln werden - wie auch in anderen Disziplinen - bei der Planung, Durchführung bis hin zur Dokumentierung von Citizen-Science-Projekten gemeinsam vereinbart und eingehalten. Die Ethikbeiräte haben Citizen-Science als einen Bestandteil von Forschung aufgenommen und geben Leitlinien für Themenbereiche wie Datenschutz und Persönlichkeitsrechte, Urheberrecht und geistiges Eigentum sowie Versicherungsfragen.

Integration in wissenschaftliche Prozesse

 

 

8. Integration in wissenschaftliche Prozesse

 

Citizen-Science bereichert und birgt großes Innovationspotential für die Wissenschaft und die Wissenschaftskultur, u.a. durch Einbindung vielfältiger Wissensdomänen, unterschiedlicher Blickwinkel der Bürger:innen und Erarbeitung neuer und großskaliger Datensätze in Raum und Zeit.  Eine nachhaltige Verankerung von Citizen-Science in wissenschaftlichen Prozessen, Strategien der Forschungsorganisationen  und Stabsstellen, sowie Aus- und Fortbildungsstrukturen kann  einen gewinnbringenden Einsatz von Citizen-Science durch Forschende und Studierende ermöglichen. 

Leitbild: Im Jahr 2030 ist Citizen-Science in all seinen Facetten Ausdruck eines modernen Wissenschaftsprozesses, der gesellschaftliche Teilhabe in Forschung durch verschiedene Formate ermöglicht. Citizen-Science ist eine Bereicherung der Wissenschaftskultur, indem gemeinsam gesellschaftliche, ökologische und ökonomische Herausforderungen identifiziert und erforscht werden. Citizen-Science ist  strukturell in den Strategien der Hochschulen und Forschungsinstitutionen sowie durch Citizen-Science Stabsstellen in jeder größeren Forschungsorganisation verankert. Der Ausbau eines breiten Expert:innen-Netzwerkes und gezielter interdisziplinärer Fort- und Weiterbildungsprogramme als fester Bestandteil der universitären Lehre führt zu einer guten wissenschaftlichen Praxis, und einer Anwendung von Citizen-Science als Forschungsansatz durch Fachwissenschaftler:innen.

 

Integration in Bildungsprozesse

 

 

9. Integration in Bildungsprozesse

 

Citizen-Science eröffnet Bildungskonzepten ein weiteres Format, um die Kompetenzen im Umgang mit Wissenschaft in authentischen Lernkontexten zu entwickeln. Das Bildungspotenzial von Citizen-Science wird realisiert, wenn Bildungskonzepte an die Interessen und Motive der Lernenden angepasst, forschungsbasiert für eine effektive Lernförderung entwickelt, in Curricula integriert sowie fortwährend evaluiert werden. Kooperationen zwischen Schulen, außerschulischen Lernorten, Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen sollen gefördert und das Thema in Richtlinien und Lehrplänen durch Unterstützung auf politischer Ebene eingebettet werden. Zum Anderen bedarf es eines umfangreichen und langfristigen Förderprogramms, das Citizen-Science in Schulen, außerschulischen Lernorten, Hochschulen und anderen Forschungseinrichtungen integriert, um so das Potential von Citizen-Science für den Bildungsbereich nutzbar zu machen.

Leitbild: Im Jahr 2030 wird die Durchführung von Citizen-Science-Projekten an Bildungseinrichtungen durch Förderinstrumente ermöglicht, die eine enge Zusammenarbeit mit Schulen, der universitären Bildung und außerschulischen Lernorten fördern. Lehrende sind wichtige Multiplikatoren von Citizen-Science. Ihnen stehen Weiterbildungsangebote zur Integration von Citizen-Science in Bildungskonzepte sowie Lehr- und Lernmaterialien für die praktische Umsetzung zur Verfügung. Die Aktivitäten basieren auf aktuellen Forschungsergebnissen und sind auf Lehrpläne und sonstige Rahmenbedingungen abgestimmt.

 

Integration in Entscheidungsprozesse

 

10. Integration in Entscheidungsprozesse

 

Citizen-Science entfaltet ihren gesellschaftlichen Mehrwert zur Gänze, wenn ihre Ergebnisse konsequent in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen berücksichtigt werden. Ein gemeinsames Verständnis von Politik, Verwaltung und der Citizen-Science-Community ist notwendig, wie Bürgerwissenschaften konkret zu Entscheidungsprozessen beitragen können. Zudem werden strukturelle und prozessuale Rahmenbedingungen (z.B. Citizen-Science Strategien und Koordinierungsstellen in Behörden und Ämtern,  Workflows zur Einbindung von qualitätsgesicherten Citizen-Science-Daten in Politikgestaltung, Management und Monitoring) sowie spezifische Angebote zum Kapazitätsaufbau benötigt (z.B. Citizen-Science Anlaufstellen in Behörden und Ämtern mit praxisorientierten Beratungsangeboten für Citizen-Science Projekte).

Leitbild: Im Jahr 2030 liefert Citizen-Science praxisnahe Erkenntnisse zu gesellschaftsrelevanten Fragestellungen und unterstützt dadurch politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse. Citizen-Science trägt zu evidenzbasierten Entscheidungen in Politik und Management bei.

 

Medizin und Gesundheitsforschung

 

 

11. Medizin und Gesundheitsforschung

 

Patient:innen als Bürgerforscher:innen in alle Phasen des Forschungsprozesses aktiv einzubeziehen, hat das Potenzial, die Relevanz und den Nutzen der Ergebnisse für die Gesundheitsversorgung zu erhöhen. Zudem wird dadurch die Rolle von Patient:innen erweitert und gestärkt.

Leitbild: Im Jahr 2030 werden Patient:innen als Bürgerforscher:innen häufig in alle Phasen der medizinischen und Gesundheitsforschung einbezogen. In der Medizin wird die Erfahrung und Expertise von Patient:innen und ihren Angehörigen als bedeutsam anerkannt. Ihr Einbezug in die Forschung durch Citizen-Science erhöht die Relevanz und den Nutzen der Forschungsergebnisse, erleichtert deren praktische Umsetzung und verbessert die Situation der Patient:innen. Es sind neue Rahmenbedingungen und Strukturen entstanden, die ein gemeinsames Forschen, den wechselseitigen Respekt aller Beteiligten, eine adäquate Finanzierung und eine Anerkennung in der Wissenschaft und Medizin ermöglichen.

Sensorik und künstliche Intelligenz

 

12. Sensorik und künstliche Intelligenz

 

 

Der Einsatz von Sensorik und künstlicher Intelligenz im Kontext von Citizen-Science verbessert Datengrundlagen in ihrem Umfang und in der Verfügbarkeit an verschiedensten Orten und Zeiten. Die Verwendung von KI erlaubt die Bewertung und Verbesserung der Qualität von Daten und eröffnet neue Möglichkeiten in der Datenanalyse. 

Leitbild: Im Jahr 2030 sind Sensorik und künstliche Intelligenz etablierte Werkzeuge für Citizen-Science-Aktivitäten. In den Projekten können Bürgerforscher:innen unterschiedliche Rollen einnehmen, beim Betrieb der Sensorik, Programmieren oder der  Analyse von Daten. Auch kostenintensive Instrumente werden von wissenschaftlichen Einrichtungen zur Verfügung gestellt. Algorithmen als Basis für Entscheidungsprozesse sind offen und transparent.

Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden

 

 

13. Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden

 

Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden haben eine lange Tradition als Bindeglieder zwischen Forschung und Zivilgesellschaft und bieten daher langfristige physische als auch konzeptionelle Räume für Citizen-Science mit großer Bürgernähe.  Als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft schaffen sie damit innovative Räume und Möglichkeiten des gemeinsamen Experimentierens und Lernens.

Leitbild: Im Jahr 2030 verstehen sich Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden als Wissensräume und Bildungsstätten mit institutioneller Vermittlungsaufgabe als Gedächtnis- und Transferorganisationen. Citizen-Science ist als Forschungs- und Transferansatz ein fester Bestandteil in den Leitbildern und im Selbstverständnis der Archive, Bibliotheken, Museen und Wissenschaftsläden zur aktiven Zusammenarbeit mit Nutzer:innen. Als etablierte Anlaufstellen für Fachgesellschaften und bürgerliches Engagement wirken sie als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft  und schaffen  damit innovative Räume und Möglichkeiten des gemeinsamen Experimentierens und Lernens durch Citizen-Science.

Europäische Perspektive (D-A-CH)

 

 

14. Europäische Perspektive (D-A-CH)

 

Die Zusammenarbeit der DACH-Länder (Deutschland - A-Österreich - CH-Schweiz) im Bereich Citizen-Science ist vielfältig und hat sich in den letzten Jahren zu einer wichtigen Komponente im europäischen Raum entwickelt. Das jeweilige länderspezifische Capacity Building unterstützt die Entwicklung der nationalen Netzwerke. Die engere Zusammenarbeit und der Austausch von Lernerfahrungen der Citizen-Science-Akteur:innen auf wissenschaftlicher, organisatorischer und politischer Ebene bietet Chancen und Möglichkeiten zur gezielten Weiterentwicklung und Konsolidierung von Citizen-Science.

Leitbild: Das DACH-Netzwerk  ist auf politischer und fachlicher Ebene ein etablierter Akteur im europäischen Citizen-Science-Netzwerk. Länderübergreifende Maßnahmen und Initiativen wie gemeinsam entwickelte Kapazitäten für die Community ebenso wie gemeinsame Evaluierung verschiedener Förderrichtlinien machen Citizen-Science zu einem integralen Bestandteil von Forschung und zur zentralen Aufgabe verschiedener Organisationen. Die vielfältigen Kooperationen auf politischer, wissenschaftlicher und Netzwerkebene dienen als Best Practice-Beispiel für europäische Zusammenarbeit. Die landeseigenen Strukturen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden dadurch gestärkt und gefördert.

Begleitforschung Citizen-Science

 

 

15. Begleitforschung Citizen-Science

 

Die Erkenntnisse aus der Begleitforschung ermöglichen eine empirisch fundierte Professionalisierung und Weiterentwicklung der Citizen-Science-Praxis. Um dieses umsetzen zu können, muss die gezielte Förderung von Begleitforschung ein integraler Bestandteil der Förderstrategie von Citizen-Science-Projekten werden.

Leitbild: Im Jahr 2030 ist Begleitforschung ein integraler Bestandteil der Citizen-Science-Projekte und wird bereits bei der Projektplanung initiativ mitgedacht und durch entsprechende finanzielle Ressourcen unterstützt. Begleitforschung wird durch interdisziplinäre Teams umgesetzt und orientiert sich an den wissenschaftlichen Standards der empirischen Sozialforschung und bzw. Evaluationsforschung.

Die Handlungsempfehlungen

Für die 15 Handlungsfelder des Weißbuchs ergeben sich insgesamt 98 politische Handlungsempfehlungen für die Förderung von Citizen Science in Deutschland. Zielgruppen als Adressat:innen (Abb 2) sind Akteur:innen und Verantwortliche in:

  • Citizen-Science-Community Praktiker:innen (ehrenamtliche Bürgerforscher:innen, Projektkoordinierende)
  • Zivilgesellschaftliche Organisationen (Nichtregierungsorganisationen, Vereine, Verbände, Initiativen, Netzwerke)
  • Wissenschaftsorganisationen (Forschungsgemeinschaften, Universitäten, Hochschulen, Hochschulrektorenkonferenz)
  • Bildungsorganisationen (formale und nicht-formale Bildungseinrichtungen)
  • Politische Entscheidungsträger:innen (Ministerien, Behörden, Verwaltung), und 
  • Förder:innen (Forschungsfördereinrichtungen, Stiftungen, Auswahlgremien)

Abb 2. Handlungsempfehlungen des Weißbuchs und ihre Zielgruppen

Das Weißbuch richtet sich an die Wissenschaftspolitik und an Forschungseinrichtungen  und Fördereinrichtungen, als auch Bildungseinrichtungen und die breite Citizen-Science Community mit Verbänden und Privatpersonen. Die transformativen sozialen und technischen Innovationspotentiale von Citizen-Science ermöglichen eine Zusammenarbeit über Sektoren hinweg. Verschiedene Bundesministerien und  Ministerien auf Länderebene und Kommunen können die Transformationspotenziale von Citizen-Science und Bürgerschaftlichem Engagement gewinnbringend fördern und in ihren Strategien und Programmen verankern (siehe auch Einleitung, Box 2).

Die neuesten Beiträge

Annotation vom 08.10.2021 - 18:40
Annotation vom 08.10.2021 - 18:39
Annotation vom 08.10.2021 - 18:36
Annotation vom 08.10.2021 - 18:36
Annotation vom 08.10.2021 - 18:33