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8. Integration in wissenschaftliche Prozesse

8.1. Situationsanalyse: Wo stehen wir mit der Einbindung von Citizen-Science in den Forschungsprozess?

Das Handlungsfeld „Citizen-Science in wissenschaftlichen Prozessen“ stellte eine ganzheitliche Betrachtung auf das Wissenschaftssystem dar mit Verzweigungen in die Themenbereiche der Projektförderung, Datenqualität und Anerkennungskultur. Auf die Phasen des Forschungsprozesses -- von der Formulierung der Forschungsfrage, über die Methodenwahl, das Datenerhebungsdesign, die Datengewinnung, -analyse und -interpretation bis zur Kommunikation von Forschungsergebnissen bezogen -- kann Citizen-Science in unterschiedlichen Ausprägungen Anwendung finden. Shirk et al. [13] benennen entlang des Intensitätsgrades der Bürgerinteraktion folgende Beteiligungsstufen in einem Forschungsprojekt: „contract“, „contribute“, „collaborate“, „co-create“ und „colleagues“. Die unterschiedlichen Beteiligungsformen von Bürgern entlang des Forschungszyklus wird auch in der Umfrage mit  64% der Befragten (n=79) als Mehrwert bei der Sichtbarkeit und gesellschaftlichen Akzeptanz von Forschung bestätigt. Leider ist in der Citizen-Science Projektlandschaft der contributory Ansatz in zahlreichen Bereichen nur ungenügend verankert (so zum Beispiel in der Agrarforschung; ein erster positiver Trend ist hier der contributory Ansatz im Monitoring der Agrarlandschaft [74] und der ko-kreative Ansatz der Bürgerbeteiligung zu gesellschaftsrelevanten Themen [75] bleibt weiterhin unterrepräsentiert [3]. Die vorherrschende Form der Einbeziehung der Bürger:innen in die etablierte Wissenschaft liegt im Generieren von umfassenden Datensätzen (Bürger:innen als Beobachter, Zähler, Datensammler). Dies bestätigt auch die Citizen-Science Umfrage 2020: 54% der befragten ForscherInnen (n=75) bestätigten die Zeitersparnis und 58% (n=75) die Kostenersparnis durch die Einbeziehung von Bürger:innen bei der Datenerhebung.

Die Einbindung von Bürgern in den Forschungsprozess verursacht einen nicht unerheblichen Mehraufwand und Arbeitszeit. Um die Motivation für die Anwendung von Citizen-Science als Methodik in der Wissenschaft zu erhöhen, bedarf es aus der Perspektive der Forschung heraus für das Engagement mehr Anerkennung und Wertschätzung von der eigenen Wissenschaftscommunity (vgl. Handlungsfeld 5). Die Sichtbarkeit von Best-Practice-Ansätzen ist zu weiten Teilen noch immer nicht gegeben, wie das Stimmungsbild aus der Umfrage zur Honorierung und Verbreitung von Citizen-Science Aktivitäten in den eigenen Fachbereichen widerspiegelt (vgl. Handlungsfeld 5): so geben 54 % (n=280) der Befragten an, dass Forschende für Ihr Engagement im Bereich Citizen-Science nicht honoriert werden. 

Eine weitere essentielle Prämisse für die erfolgreiche Integration von Citizen-Science-Aktivitäten in den Forschungsprozess stellt die Akzeptanz der im Rahmen von Citizen-Science-Projekten erhobenen Daten dar. Weiterhin besteht eine Skepsis gegenüber der Qualität von Daten aus Citizen-Science-Projekten (vgl. Handlungsfeld 6). Die Umfrage hat gezeigt, dass die Daten- und Ergebnisveröffentlichung von Citizen-Science-Projekten vor allem auf Projektwebseiten erfolgt. Dadurch durchlaufen die Ergebnisse der Citizen-Science-Projekte nicht den wissenschaftlichen Peer Review Prozess und sind  zudem auch nur schwer auffindbar und wiederverwertbar. Frühere Umfragen zeigten, dass einige Citizen-Science-Projekte auch gar keine wissenschaftlichen Publikationen vorsahen [76], und an dieser Stelle muss sich die Citizen-Science-Community dringend professionalisieren. Der exponentielle Anstieg von Citizen-Science-Veröffentlichungen und Citizen-Science special issues in renommierten Fachjournalen zeigt eine Änderung an (Box 7).

BOX 7 Citizen-Science in der wissenschaftlichen Publikationslandschaft

Die aufgeführten Beispiele stellen nur eine Auswahl dar. Den Autor:innen ist bewusst, dass es weitaus mehr als die genannten Beispiele gibt.

Citizen-Science Special Issues in Fachjournalen

Citizen-Science Fachbücher

  • Vohland, K., Land-zandstra, A., Ceccaroni, L., Lemmens, R., Perelló, J., Ponti, M., Samson, R., Wagenknecht, K. (Hrsg.) (2021) The Science of Citizen-Science. Springer. ISBN 978-3-030-58278-4
  • Skarlatidou, A. & Haklay, M. (2021) Geographic Citizen-Science Design: No one left behind. UCL Press.
  • Lepczyk, C. A., Boyle, O. D., & Vargo, T. L. (Eds.). (2020). Handbook of Citizen-Science in Conservation and Ecology. University of California Press.
  • Noss, R. F. (2020). Handbook of Citizen-Science in ecology and conservation. University of California Press.
  • Hecker, S., Haklay, M., Bowser, A., Makuch, Z., & Vogel, J. (Hrsg.). (2018). Citizen-Science: innovation in open science, society and policy. UCL Press.
  • Wink, M., & Funke, J. (Hrsg.). (2017). Wissenschaft für alle: Citizen-Science. Heidelberg University Publishing.
  • Oswald, K., & Smolarski, R. (Hrsg.). (2016). Bürger Künste Wissenschaft: Citizen-Science in Kultur und Geisteswissenschaften. Computus Druck Satz Verlag.

 

Die Begleitforschung sowie die Evaluationsforschung von Citizen-Science-Projekten werden als zentrale Instrumente gesehen, die empirische Erkenntnisse zur Wirkung von Citizen-Science ermöglichen und den Mehrwert und das Potential von Citizen-Science-Projekten greifbarer für die wissenschaftliche Community zu machen. Deshalb wurde – im Prozess vom Grünbuch zum Weißbuch – dieses Themenfeld in ein eigenes Handlungsfeld (vgl. Handlungsfeld 15 “Begleitforschung”) ausgegliedert.

Im Grünbuch wurde 2016 die Weiterbildung und Befähigung von Wissenschaftler:innen als zentrale Voraussetzung für die Anwendung von Citizen-Science in zwei Handlungsoptionen zum Ausdruck gebracht. Seit diesem Zeitpunkt haben sich in den Citizen-Science-Communities selbst Initiativen herausgebildet, die Weiterbildungsmaterialien und Maßnahmen auf Online Plattformen zusammentragen. Eine aggregierte Übersicht über weltweite Weiterbildungsangebote bietet die europäische Citizen-Science-Plattform [77] an. In Deutschland veranstaltet das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) eine Sommerschule und die Plattform “Bürger schaffen Wissen” bietet seit 2020 Trainingsworkshops [78] rund um das Thema an.  Es ist erkennbar, dass sich das akademische System langsam an den neuen Anforderungen orientiert. So wurde beispielsweise Anfang 2020 an der Universität Jena die erste Citizen-Science-Professur besetzt. Auch weitere Universitäten und Wissenschaftsorganisationen implementieren Citizen-Science an ihren Einrichtungen mit Förderprogrammen (zB Helmholtz Innovationsfond) und in ihren Strategien (z.B. Berlin University Alliance der Berliner Universitäten und der Charité, Universität Potsdam – Gesellschaftscampus,  Universität Münster–WWU-Citizen-Science-Wettbewerb 2020 Universität Düsseldorf – Bürgeruniversität, Citizen-Science@Helmholtz, Leibniz-Forschungsnetzwerk „Citizen-Science“). Dennoch ist eine systematische Einbindung von Citizen-Science-Kompetenzen in die universitäre Lehre kaum erkennbar: Rund 60% (n=75) der befragten Forscher:innen  verneinen die Aussage, dass Citizen-Science Bestandteil von Curricula /Studienplänen ist.  69% (n=75) der Forscher:innen gaben an, dass es an ihren wissenschaftlichen Einrichtungen keine Fortbildungen für Forschende zum Thema Citizen-Science gibt.  Diesbezüglich zeigen die Ergebnisse der Umfrage auch, dass ein dringlicher Bedarf an spezifischen Beratungsangeboten zu Citizen-Science an wissenschaftlichen Einrichtungen besteht. Die Handlungsoptionen bleiben deswegen auch 2020 bestehen. Eine Erweiterung der Handlungsoption aus dem Grünbuch wäre das Einbinden von Citizen-Science-Methoden nicht nur in die universitäre Lehre sondern auch schon die frühzeitige Heranführung von Kindern durch Schulen oder Kindergärten und das Einbinden von Senior:innen durch das Seniorenstudium [79].

Seit der Erstellung des Grünbuchs wurden weitere Handlungsfelder für eine bessere Durchdringung von Citizen-Science in wissenschaftlichen Prozessen identifiziert. Es bedarf einer stärkeren Sichtbarkeit von Citizen-Science Projekten und deren Ergebnissen im deutschen Wissenschaftssystem. Eine umfassende Dokumentation von Citizen-Science Projekten sichert eine bessere Nachvollziehbarkeit und Transparenz. Die Beschreibung von  Anwendungsbereichen von Citizen-Science als Forschungsmethode birgt das Potential, noch nicht aktive Akteur:innen in den etablierten Wissenschaften abzuholen bzw. neu Forschungsdisziplinen zu inspirieren. Der aktuelle Schwerpunkt liegt jedoch weiterhin bei den Lebens- und Naturwissenschaften [3]. Aber auch in den Geistes- und Sozialwissenschaften werden Citizen-Science-Projekte als eine Chance gesehen gesellschaftliche Fragestellungen zu bearbeiten und diese werden unter dem Begriff der Social Citizen-Science oder ‘transdisziplinärer Forschung’ zusammengefasst [80,81]. Eine Schärfung der verschiedenen Begrifflichkeiten ist notwendig.

 

8.2. Was sind die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Herausforderungen?

Auch wenn das Interesse an Citizen-Science seit 2016 in der etablierten Wissenschaft gestiegen ist (Box 7), führt die in manchen Fachgebieten immer noch vorhandene Skepsis der ‘klassischen’ Wissenschaft gegenüber der Bürgerforschung (24% der n=75 befragten Forscher:innen gab an, dass Citizen aktuell keinen Mehrwert für das individuelle Forschungsgebiet bringt) dazu, dass integrative Kooperationen zwischen Bürgerforscher:innen und Wissenschaftsinstitutionen derzeit noch ungenügend sind. Eine Steigerung der Anzahl dieser Kooperationen bedarf einer entsprechenden Unterstützung der FachWissenschaftler:innen (auch auf Leitungsebene) und der interessierten Bürger:innen. Es bedarf außerdem einer ständigen Kommunikation zwischen Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft, um existierende Kompetenzen zu nutzen und Forschungsergebnisse zu kommunizieren. Darüber hinaus ist die Kooperation zwischen Bürger:innen und Wissenschaftler:innen wichtig für die Vertrauensbildung (in die (Bürger)wissenschaft) einerseits und für die Orientierung der Forschungsthemen an den gesellschaftlichen Interessen andererseits. Citizen-Science sollte als Teil guter akademisch-wissenschaftlicher Praxis betrachtet werden.

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass sich Citizen-Science Projekte sehr vielfältiger Fragestellungen annehmen und ganz unterschiedliche konzeptuelle Ansätze und Beteiligungsformate verfolgen. Neue transformative Forschungsansätze wie sie die Reallaborstrategie verfolgt (Wuppertal-Institut, KIT, TU Berlin, Thünen-Institut u.a.), wo Lösungen für gesellschaftliche Probleme in Forschungsprozessen entwickelt, getestet und umgesetzt werden, ermöglichen neuwertige Gestaltungsmöglichkeiten für Bürgerbeteiligung und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftler:innen und PraxisAkteur:innenn (vgl. Handlungsfeld 12 “Sensorik und KI”, als neues Forschungsgebiet in den Citizen-Science).

Die deutsche Citizen-Science Community sieht  dringenden Bedarf, den Intensitätsgrad des Mitforschens von Bürgerwissenschaftler:innen in Citizen-Science-Forschungsvorhaben zu erhöhen. Die frühzeitige Einbeziehung von Bürgern bei der Forschungsfragen-Findung (der Scoping-Phase oder der Ko-Kreation) stellt hierbei eine besondere Herausforderung dar. Den direkten Kontakt zu den Bürgerwissenschaftler:innen zu pflegen, ist teils sehr zeitaufwendig. Da finanzielle Ressourcen nicht ausreichend zur Verfügung stehen, kann aktuell nicht immer genügend Raum der Scoping-Phase von Citizen-Science-Projekten eingeräumt werden. Dieser ist aber gerade bei Citizen-Science-Projekten sehr wichtig für die frühzeitige Einbindung von Bürger:innen und den weiteren Projektverlauf. Ähnliches gilt auch für die Nachbereitung von Citizen-Science-Projekten. Die Umfrage und Expertengespräche unterstreichen den dringenden Bedarf an expliziter Einplanung von Zeit und mehr Instrumenten der Forschungsfinanzierung für Citizen-Science-Tätigkeiten in akademisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekten: Einen Großteil (64%) der befragten Forscher:innen (n=75) gab an, dass es keine spezifischen Förderinstrumente für Citizen-Science an wissenschaftlichen Einrichtungen gibt (z.B. Wettbewerbe). 38% aller Befragten (n=276) gaben an, dass es derzeit keine ausreichenden Instrumente zur Anschubfinanzierung von Citizen-Science-Projekten gibt, und 43,5% der Befragten (n=276) notierten keine ausreichenden Instrumente zur Anschlussfinanzierung von Citizen-Science-Projekten.

Großer Bedarf besteht in der verstärkten Öffnung des wissenschaftlichen Prozesses für Bürgerforscher:innen an Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstitutionen. Das  Hervorheben der Beteiligung von Bürgerforscher:innen (z.B. durch veröffentlichte Danksagung) in Forschungsberichten oder auf der Projektwebseite, sowie das Führen als Mitautor:innen in wissenschaftlichen Publikationen sowie ihre Teilnahme auf wissenschaftlichen Fachkonferenzen (z.B. an der infolge der Corona-Pandemie vermehrt organisierten online Veranstaltungen), um aus ihren Erfahrungen zu berichten, schaffen Möglichkeiten “Nicht-Citizen-Science-Wissenschaftlern" für Citizen-Science-Methoden zu sensibilisieren und Bürger:innen für die Mitwirkung an wissenschaftlichen Prozessen zu motivieren  (vgl. Handlungsfelder 5 & 1).

Die Initiative für die Anwendung von Citizen-Science als Methode in Forschungsprojekten geht weiterhin von einzelnen WissenschaftlerInnen aus und wird nicht immer von Fachbereichs- oder Institutsleitungen willkommen geheißen. Deshalb besteht der Bedarf, weiterhin das Bewusstsein für den Einsatz und Anerkennung von Citizen-Science als Forschungsmethode an Universitäten und Wissenschaftsorganisationen zu forcieren. Ein erster Schritt Citizen-Science sichtbarer zu machen, wäre die Einrichtung einer zentralen Citizen-Science-Stabsstelle als Anlaufstelle für Fragen, z.B. in Form eines institutionellen Citizen-Science-Ansprechpartners (z.B. Universität Düsseldorf).

 

8.3.  Handlungsempfehlungen

 

(8).1.

Interaktion mit Zivilgesellschaft muss Bestandteil des Aufgabenprofils von Forscher:innen sein.   Forschungsgemeinschaften und Hochschulen sollten die Anerkennung von Citizen Science als Forschungsmethode erhöhen, z.B. durch das Einbinden von Citizen Science-Erfahrungen in das wissenschaftliche Bewertungssystem (z.B. durch ein Punktesystem für Citizen Science-Engagement), und die Einbindung von Citizen Science als Kriterium in die allgemeine Evaluierung von Forschungsprojekten. Der gegenseitige Austausch zwischen Citizen Science-Projekten verschiedener Forschungsrichtungen und das Forcieren interdisziplinärer Citizen Science-Projekte würde die Akzeptanz von Citizen Science zusätzlich bestärken.

(8).2.

Wissenschaftliche Einrichtungen, und Förderer sollten die Beteiligung von Bürgerforscher:innen stärker in die akademische Forschungslandschaft verankern, u.a. durch eine systematische Prüfung von zukünftigen Forschungsvorhaben in relevanten Fachrichtungen auf den Wirkungsgrad und den Einfluss von Citizen Science. 

(8).3.

Wissenschaftliche Bildungseinrichtungen sollten Aus- und Fortbildungsmaterialien erstellen und Angebote für Trainingsworkshops sowie Open Educational Ressources ausweiten, um Citizen Science als Methode in der akademischen Forschung bekannter zu machen. Das kann z.B. durch das Integrieren von Citizen Science-Skills, Open Science und partizipative Methoden in universitäre Lehrpläne erreicht werden.

Gleichzeitig sollten Open Science Schulungsangebote an Hochschulen (z.B. Einführungskurse in das wissenschaftliche Arbeiten) für Bürgerforscher:innen zugänglich gemacht werden und ausgebaut  werden.

(8).4.

Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen sollten Beratungsstrukturen zu Citizen Science schaffen, die von den eigenen akademisch Forscher:innen und Studierenden in Anspruch genommen werden, z.B. durch die disziplinspezifische Schaffung von lokalen Ansprechpartnern.

Unterstützend zu den lokalen Strukturen sollten politische Entscheidungsträger eine Citizen Science-Beratungsanlaufstelle errichten sowie den Ausbau eines nationalen Netzwerks zum Austausch von Erfahrungen forcieren.  

(8).5.

Forschungsgemeinschaften und Hochschulen sollten die Präsenz von eigenen CS-Aktivitäten auf ihren Websites prägnanter darstellen und gleichzeitig digitale Plattformen aufbauen, die Citizen Science Projekte vorstellen, untereinander vernetzen und unterstützen, um eine erhöhte Sichtbarkeit von Citizen Science als Innovationspotential für die Wissenschaft zu schaffen.   Events und Initiativen wie „Wissenschaftsnacht“ , „Wissenschaftsläden“, „Book-a-scientist“ oder „Tag der offenen Tür“, die eine Annäherung zwischen Wissenschaft und Bürgern begünstigen, sollten regelmäßig an wissenschaftlichen Einrichtungen organisiert werden.

(8).6.

In Citizen Science-Projekten sollten Wissenschaftler:innen die Beteiligung von Bürgerforscher:innen systematisch hervorheben, z.B. durch veröffentlichte Danksagung in Forschungsberichten, auf der Projektwebseite oder Bürgerforscher:innen als Mitautor:innen in wissenschaftlichen Publikationen führen (vgl.  Handlungsfeld 5).

(8).7.

Wissenschaftliche Verlage/Journals sollten wissenschaftliche Publikationsprozesse verstärkt für Citizen Science öffnen. Open-Access-Veröffentlichungsprozesse sollten bis 2030 einen finanziellen Rahmen bieten, der eine bürgerwissenschaftliche Beteiligung fördert.

(8).8.

Bürgerforscher:innen sollten vermehrt in wissenschaftlichen Kongressen und Fachkonferenzen eingebunden werden um z.B. aus ihren Erfahrungen zu berichten und somit als Trigger für die "nicht-Citizen Science-Wissenschaftler:innen" und die Fachcommunity zu fungieren. Deswegen sollten Förderer diese Aktivitäten in Forschungsprojekten finanzieren.

(8).9.

Forschungsförderinstitutionen sollten einen größeren zeitlichen Horizont und monetäres Volumen an Forschungsfinanzierung für Citizen Science-Projekte einplanen, um Findungsprozesse mit den Bürgern attraktiver zu gestalten und für Wissenschaftler umsetzbar zu machen. Das kann durch eine ausreichende Finanzierung für die Anfangsphase von Citizen Science-Projekten und für die Nachbereitung der Bürgerpartizipation an Forschungsprojekten ermöglicht werden, und durch die Berufung von Bürgerforscher:innen als Jurymitglieder für die Verteilung von Forschungsgeldern bei Auswahlverfahren zur Forschungsförderung von Citizen Science-Projekten (z.B. durch DFG, Bundesministerien, Stiftungen).

 

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