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5. Anerkennungskultur in und für Citizen-Science

5.1 State of the Art: Wo stehen wir mit der Anerkennung gemäß Grünbuch heute (2016-2020)

An Citizen-Science beteiligte Akteur:innen messen dem Erhalt von Anerkennung und Wertschätzung eine wichtige Bedeutung bei, denn diese motiviert vielfach auch dazu, ein Vorhaben zu initiieren und/oder sich daran zu beteiligen. Gleichzeitig ist dabei das Empfangen von Anerkennung auch ein wichtiger Erfolgsfaktor und bestätigt einen gelungenen Verlauf des jeweiligen Citizen-Science-Vorhabens. Im Jahr 2020 ist erkennbar, dass den Erfolgen in der Praxis der Anerkennung und Wertschätzung für und in Citizen-Science auf individueller Ebene Defizite auf der politischen und formalen Ebene gegenüber stehen. Anerkennung und Wertschätzung für und in Citizen-Science-Vorhaben auf individueller und gemeinschaftliche Ebene sind vielfach gestärkt und teilweise auch in der Praxis umgesetzt. So sind unter anderem Aktivitäten innerhalb der Forschung wie auch in den Bereichen Kommunikation, Austausch und Vernetzung gemeinsam auf Augenhöhe entwickelt und durchgeführt worden (vgl. Handlungsfeld 4). Darüber hinaus werden die Ergebnisse von Citizen-Science-Vorhaben von der Forschung und der Politik aufgegriffen und für Entscheidungen verwendet. Die Vernetzung und der Austausch untereinander sowie die Strukturen und Möglichkeiten von Förderungen für Citizen-Science haben sich verbessert und zur Anerkennung des Ansatzes von Citizen-Science beigetragen (vgl. Handlungsfelder 1 & 2). Auch die Erfahrungen des Freiwilligenmanagements (Handlungsfeld 3) werden genutzt.  Die Einrichtung der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) im Jahr 2020 als zentrale bundesweite Anlaufstelle zur Förderung ehrenamtlichen Engagements ist ein klares Zeichen der Stärkung des Engagements in Deutschland.

Trotz positiver Entwicklungen und Tendenzen im Bereich Anerkennung für Citizen-Science (vgl. Box 6), ist der Ansatz Citizen-Science als Methode in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen weiterhin vielfach unbekannt, wie bspw. in den Sozial- und Geisteswissenschaften oder in den Bereichen der Künstlichen Intelligenz und Medizin (vgl. Handlungsfelder 11 & 12). Eine Mehrheit der Citizen-Science-Wissenschaftler:innen und Bürgerwissenschaftler:innen verweist darauf, dass insbesondere die Instrumente der Anerkennung wie z.B. die Nennung der Beteiligten bei Fachpublikationen oder die Beachtung der Vorhaben in den Medien und in der Gesellschaft aktuell unzureichend sind (vgl. Umfrage). Außerdem wird deutlich, dass bei der Wahl von Instrumenten zur Anerkennung unterschiedliche Bedürfnisse kaum berücksichtigt werden.

 

5.2 Was sind die Bedarfe an Anerkennung und Wertschätzung für und in Citizen-Science?

Stärkung bereits bestehender Mechanismen für Anerkennung:

Die Ergebnisse der Umfrage und Expert:innengespräche zeigen, dass bereits umgesetzte Instrumente der Anerkennung wie z.B. Lob, Netzwerktreffen, Weiterbildungen und eine hohe Feedbackkultur als wertschätzend wahrgenommen werden. Ähnlich positive Wirkung wird auch der Teilnahme an kostenfreien Kursen der Qualifikation und des Trainings, der wissenschaftlichen Nutzung von Daten und Informationen sowie der gemeinsamen Erarbeitung praktischer Umsetzungen der Projektergebnisse mit politischen Entscheidungsträgern zugesprochen. Auch kleine Gesten der Wertschätzung und Dankbarkeit besitzen eine hohe Akzeptanz. Diese bereits erfolgreich eingesetzten Instrumente der Anerkennung sollten weiter gestärkt und ausgebaut werden.

Ermittlung zielgruppenspezifischer Bedarfe:

Für die Wahl der angemessenen Art von Anerkennung und Wertschätzung bedarf es einer genauen Bestimmung der Bedürfnisse, die der Motivation zur Beteiligung an der (Bürger-)Forschung zugrunde liegen. Diese können z. B. der Wunsch nach sozialem Kontakt oder nach Neuem, nach Erkunden des persönlichen Umfelds und einem Wunsch nach Lernen sein. Wie die Bedarfe an Anerkennung und Wertschätzung konkret aussehen, sollte gemeinsam mit den beteiligten Akteur:innen ermittelt werden. Darüber hinaus sollte eine Differenzierung zwischen der Anerkennung für das Mitmachen in einem Citizen-Science-Vorhaben und für das Umsetzen von Citizen-Science auf einer formalen Ebene vorgenommen werden, da sich die Bedürfnisse der Bürgerwissenschaftler:innen und die der Projektkoordinator:innen unterscheiden können. So werden Anerkennung und Wertschätzung in unterschiedlichen Rollen gegeben und empfangen und können sich im Laufe eines Vorhabens ändern, sodass eine Anpassung der Instrumente notwendig wird. Die Maßnahmen der Anerkennung sind daraufhin zielgruppenorientiert zu definieren und nach individuellen, gemeinschaftlichen, politischen und formalen Anforderungen zu formulieren. Darüber hinaus sollte die Bedeutung der Anerkennung und Wertschätzung in Citizen-Science sowie die verfügbaren Instrumente bzw. die Entwicklung neuer Instrumente der Anerkennung wissenschaftlich untersucht und begleitet werden (vgl. Handlungsfeld 15).

Ermittlung der Wirkung von Instrumenten der Anerkennung:

Die Wirksamkeit der bisher etablierten Maßnahmen und Formen der Anerkennung sollte bis 2030 erfasst und evaluiert werden (vgl. Handlungsfeld 15). Hierfür ist die Entwicklung eines Indikatorensets zur Messung der Wirksamkeiten der Instrumente notwendig. Auf der Basis der ermittelten Wirksamkeit der Instrumente der Anerkennung,  sind  auch die Motivation der Beteiligten zu betrachten. Die Instrumente sind dann entsprechend neu anzupassen bzw. auszurichten.

Ausbau der Infrastruktur:

Die Umfrage zeigt, dass aktuell ein hoher Bedarf an einer frühzeitigen und fortlaufenden Einbindung von Bürgerwissenschaftler:innen in Forschungsprozesse besteht (vgl. Citizen-Science Umfrage 2020 Referenz zur Umfrage). Dies setzt Strukturen und personelle Ressourcen voraus, die bei der Planung und Umsetzung von Citizen-Science-Aktivitäten berücksichtigt und eingeplant werden sollten. Darüber hinaus sollte die Verankerung einer Anerkennungskultur in und für Citizen-Science ein Qualitätsmerkmal von Citizen-Science werden.

Stärkung der Sichtbarkeit:

Um die Anerkennung und Wertschätzung von Bürgerwissenschaftler:innen in Citizen-Science-Projekten zu verbessern, sollte ihre Beteiligung in Berichten, Vorträgen und Newsletter kenntlich gemacht sowie bei Fachpublikationen namentlich, soweit möglich, genannt werden. Diese Instrumente der Anerkennung werden, wie die Umfrage gezeigt hat, von den Bürgerwissenschaftler:innen geschätzt und sollten deshalb breitere Anwendung finden.

BOX 6 Weiterführende Informationen zu Anerkennung und Wertschätzung

Aufbauend auf den umfangreichen Erfahrungen zur Anerkennung und Wertschätzung innerhalb der Vereinsarbeit, wie  z.B. in den Umweltvereinen BUND und Nabu, liegen zahlreiche Handbücher und Empfehlungen vor, die für umweltbezogenes Citizen-Science genutzt werden sollten:

Ein über die Umwelt- und Naturschutzarbeit hinausgehender Praxisleitfaden zu den Instrumenten der Anerkennung liegt von der Landesfreiwilligenagentur Berlin vor. Die hier vorgestellten Instrumente sind ggf. für Citizen-Science zu überprüfen und anzuwenden:

Anerkennung und Wertschätzung sind auch auf finanzielle Förderung angewiesen. Eine vielfältige, an den Bedarfen angepasste Förderung ist im Politikpapier “ Vorschläge für die Förderung von Citizen-Science in der Umweltbildung und Umweltkommunikation” dargestellt und kann wegweisend für die Entwicklung solcher Förderinstrumente auch für die Anerkennung in und für Citizen-Science sein:

5.3 Handlungsempfehlungen

 

(5).1.

Praktiker:innen in Citizen Science sollten bereits etablierte und erfolgreiche Instrumente der Anerkennung verstärkt nutzen und einsetzen, um eine verbesserte Anerkennung von Citizen Science-Aktivitäten in Gesellschaft, Politik und Wissenschaft zu erreichen. Ressourcen für die Anwendung dieser Instrumente (wie z.B. zeitliche Ressourcen) sind entsprechend in der Planung und im Verlauf von Citizen Science-Vorhaben zu berücksichtigen.

(5).2.

Forscher:innen sollten gemeinsam mit Bürgerwissenschaftler:innen, politischen Akteur:innen und NGOs  Instrumente der Anerkennung als Bestandteil der Planung und Durchführung eines Citizen Science-Vorhabens festlegen, anwenden und hinsichtlich ihrer Wirkung evaluieren und ggf. Weiterentwickeln. Die Ergebnisse der Begleitforschung zur Anerkennung werden für die Optimierung von Prozesse in Citizen Science eingesetzt.

(5).3.

Forscher:innen bzw.  Praktiker:innen sollten die Mitwirkung der  Bürgerforscher:innen in Forschungsprozessen bei Vorträgen, in Medienberichten und in Fachpublikationen stärker sichtbar machen. Eine formale Anerkennung kann z.B. durch die Einführung eines Citizen Science-Siegels, durch Logos, Danksagungen oder Publikationen mit Namensnennung der Datenerfasser:innen umgesetzt werden. 

(5).4.

Forschungseinrichtungen sollten einen Social-Impact-Indikator für Citizen Science-basierte Forschung als Reputationsfaktor einrichten, der dem Publikationsindikator ähnlich ist.

(5).5.

Praktiker:innen, Forschungseinrichtungen und die Zivilgesellschaft sollten Leitfäden und Qualitätskriterien zur Anwendung von Instrumenten der Anerkennung in Citizen Science-Projekten entwickeln. Die Anwendung dieser Instrumente wird in Weiterbildungen und Trainings gelehrt und durch ein  Qualifikationszertifikat für Citizen Science ausgewiesen.  

(5).6.

Universitäre und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Behörden sollten formale und politische Strukturen, wie z.B. Referate und Strategien auf institutioneller wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Ebene für Service und Beratung zu Citizen Science einrichten bzw. entwickeln. Dadurch kann die Etablierung einer Anerkennungskultur für Citizen Science unterstützt werden.

(5).7.

Ministerien und Behörden, Citizen Science Praktiker:innen und Forschungseinrichtungen sollten gemeinsam neue innovative Instrumente der Anerkennung schaffen und testen. So wäre ein „Citizen Science-Tag“ denkbar, der innerhalb des beruflichen Umfeldes auch Arbeitgeber einbindet und Zeitkontingente für Citizen Science schafft. Andere Vorschläge wären z.B. die Einführung von Rentenpunkten für das Engagement in Citizen Science oder die Teilnahme  von Forscher:innen oder politischen Entscheidungsträger:innen in Citizen Science-Vorhaben.

(5).8.

Forschungsförder:innen sollten dauerhafte finanzielle und personelle Ressourcen für die Umsetzung von Instrumenten und Maßnahmen der Anerkennung zur Verfügung stellen. Dies kann z.B. in Form von Mikrofinanzierung für Veranstaltungen, Weiterbildungen und dauerhaftes Personal für die Implementierung von Instrumenten der Anerkennung erfolgen. Darüber hinaus gilt es Qualifikationsmöglichkeiten für Citizen Science-Beteiligte zur Etablierung einer Anerkennungskultur einzurichten.

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