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4. Synergien mit der Wissenschaftskommunikation

4.1.  State of the Art: Wo stehen wir mit dem Grünbuch?

Im Grünbuch von 2016 wurden bereits erste zentrale Entwicklungsbereiche im Hinblick auf potenzielle Synergien von Wissenschaftskommunikation und Citizen-Science identifiziert. In diesem Zusammenhang wurde insbesondere darauf verwiesen, dass  der Schwerpunkt auf dem  Ausbau von Kapazitäten und Qualifikationen liegen soll. So wurden Handlungsoptionen aufgeschlüsselt, die sich auf die Schaffung klarer Strukturen und Verantwortlichkeiten in der Projektkommunikation, der Konzeption von Leitlinien, den Ausbau von Qualifizierungen, die Unterstützung von Kommunikationsabteilungen und Medien sowie um den verstärkten Einsatz von digitalen und analogen Medien bezogen.

Die Einordnung von Citizen-Science in das Repertoire der  Wissenschaftskommunikation geht mit der allgemein stärkeren Aufmerksamkeit und Bedeutung einher, die dieser in der heutigen Zeit zugeschrieben wird [26]. Wissenschaftskommunikation informiert, klärt auf und sensibilisiert für wissenschaftsbezogene Themen. Sie nimmt eine vermittelnde Rolle zwischen der Wissenschaft und der Öffentlichkeit ein und schafft Räume, um den Dialog zu Fragen, Erkenntnissen und Methoden der Forschung zu initiieren und aufrecht zu erhalten. 

Anhand aktueller Umfragedaten und Rückmeldungen aus den jüngsten Umfragen wird eindeutig erkennbar, dass diese im Grünbuch adressierten Handlungsoptionen zum Teil bereits in der wissenschaftlichen Praxis umgesetzt werden konnten; an anderen Stellen allerdings noch Nachbesserungen und konkrete Vorschläge erfolgen müssen.

So zeigen die Umfrageergebnisse und Studien, dass es viele verschiedene Ressourcen zu einzelnen Themen oder Tools in Form von (englischsprachigen) Guidelines oder Leitlinien im Bereich Wissenschaftskommunikation [49,50] und Citizen-Science [6,51,52] gibt. Eine synthetisierende Auseinandersetzung zu der Verbindung von Wissenschaftskommunikation und Citizen-Science kann allerdings noch verstärkt werden.

Die Daten der Citizen-Science Umfrage 2020 weisen auf einen Bedarf an solchen konkreten und strukturierten Leitfäden hin. Denn nur weniger als die Hälfte (43 %) der Befragten geben an, dass sie im Rahmen der Citizen-Science Projekte eine konkrete Strategie für Wissenschaftskommunikation haben. Ebenso ist der  Bedarf nach Trainings und Leitlinien für Wissenschaftskommunikation in Citizen-Science-Projekten vorhanden. Nur 37 % der Befragten haben laut dieser Umfrage bereits einen Workshop zu Citizen-Science und Wissenschaftskommunikation besucht, während 68 % der Befragten einen Bedarf an solchen beratenden Unterstützungsstrukturen sowie Workshops bestätigten (vgl. Citizen-Science-Umfrage 2020 Variable 128 und Variable 09).

4.2 Citizen-Science im Diskurs der Wissenschaftskommunikation

Citizen-Science vereint zentrale Kriterien der guten Wissenschaftskommunikation-Praxis [49,26]: die aktive Zusammenarbeit an konkreten (gesellschafts-)relevanten Fragestellungen, bei der in der Kommunikation nicht nur die Ergebnisse der Forschung im Vordergrund stehen, sondern vor allem auch Methoden und Prozesse nachvollziehbar werden und durch den Austausch neues Wissen entsteht. In der Verbindung von Citizen-Science und Wissenschaftskommunikation schwingen im Diskurs hohe Erwartungen mit, die sich vor allem auf die Förderung von “scientific literacy” beziehen sowie auf die gesellschaftliche Relevanz der bearbeiteten Themen [53,54]. Auf Ebene der Institutionen ist Citizen-Science oftmals verankert in Konzepte wie Transfer, Third Mission oder ähnliche Ansätze, die über Wissenschaftskommunikation den Austausch mit der Region (im Sinne des direkten Umfelds) bzw. den Transfer in die Gesellschaft fördern sollen. In diesem Kontext kann Citizen-Science ganz entscheidend zu einer partizipativeren und inklusiveren Ausrichtung von Wissenschaft und Wissenschaftskommunikation beitragen. Dabei ist es jedoch grundlegend, dass Citizen-Science in erster Linie ein Forschungsansatz ist (also nicht als reines Instrument für Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt wird). Auf dieser Basis kann Citizen-Science eine demokratisierende Wirkung entfalten und eine neue Kultur der Zusammenarbeit im Sinne einer partizipativen Wissenschaft(skommunikation) mit etablieren.

4.3 Was sind die aktuellen Bedürfnisse, Möglichkeiten und Herausforderungen?

Erfolgreiche Kommunikation erfüllt in den Projekten folgende Zwecke: Sie lädt zum Mitforschen ein und motiviert zum Weiterforschen. Zudem informiert  sie  über Projektziele, über Methoden und Prozesse. Zudem  eröffnet sie Räume für Diskussion, Feedback, Impulse und Austausch und teilt Erkenntnisse und Ergebnisse aus dem Projekt. Formate, Kanäle und konkrete Inhalte leiten sich dabei daraus ab, in welche Richtung mit welchem Zweck kommuniziert wird bzw. Austausch gewünscht wird und sinnvoll ist (Weitere Bezüge zum Thema Austausch und Vernetzung unter Handlungsfeld 1). Das setzt nicht nur eine strategische Planung der Kommunikation voraus, sondern auch je nach Format Kompetenzen und Kapazitäten, um die damit entstehenden Rollen füllen zu können: als Moderator:in, als Tutor:in, als Netzwerker:in , als Vermittler:in  etc. Viele Projekte möchten mit ihrer Arbeit zudem auf individueller und gesellschaftlicher Ebene für Themen und Prozesse sensibilisieren und so z.B. Veränderungen im Verhalten bewirken. 

 

Eine besondere Rolle kommt in diesem Zusammenhang dem noch recht jungen Feld der “Science of Science Communication” sowie der “Science of Citizen-Science “zu. Hier wird jeweils evidenzbasiertes Wissen geschaffen, welche Wirkung Formate der Wissenschaftskommunikation bzw. Citizen-Science auf welcher Dimension mit welchen Instrumenten erzielen können (vgl. Handlungsfeld 15). Eine stärkere Verzahnung der Forschungsfelder und ihr Transfer in die jeweilige (Kommunikations-)Praxis ist daher zielführend.  Dieser Blickwinkel  wird in der Evaluation von Wissenschaftskommunikation in Citizen-Science Projekten noch zu wenig gelegt. So geben nur ein Drittel der Befragten an, dass der Dialog zwischen Bürger:innen, Forscher:innen und Entscheidungsträger:innen systematisch ausgewertet wird (vgl. Citizen-Science Umfrage 2020, Variable 123).

 

Da das Feld sehr divers in der Art und Laufzeit der Projekte, den Themen, Disziplinen sowie der Level/Typen der Beteiligung ist, erscheint eine allgemeingültige  Empfehlung für gelungene Kommunikationsstrategien nicht sinnvoll. Die folgenden  Punkte erscheinen als Grundlage  für grundlegende Diskussionen und die Entwicklung entsprechender Positionen hilfreich:

  1. Zunächst ist es empfehlenswert, Werte als Orientierung zu definieren, die in der Kommunikation eine Rolle spielen bzw. mittransportiert werden sollten. So sind z.B. Transparenz, Offenheit, Flexibilität im Prozess und Wertschätzung einige Werte, die sich als hilfreich und fundamental erwiesen haben. Hier lässt sich auf Wissen, Erfahrungen und Ressourcen aus dem Bereich der Partizipation bzw. der Bürgerbeteiligung zurückgreifen [14,56].
  2. Aufbauend auf einer Wertediskussion ist es zentral einen Leitfaden für die Wissenschaftskommunikation in Citizen-Science-Projekten zu entwickeln, der diese Erkenntnisse der Wertediskussion zusammenführt und vor allem auch die unterschiedlichen Ebenen der Kommunikation und die jeweiligen Ziele aufschlüsselt. Als Grundlage könnte hier das “Framework on Citizen-Science interaction and communication” [55] herangezogen werden, ergänzt um konkrete Hinweise zu möglichen Formaten, Tools, Methoden für die Umsetzung.
  3. In diesem Zusammenhang ist eine strukturelle Verankerung der Kommunikation in den Projekten in Form von Personen, Strukturen und Kompetenzen notwendig. Nur so kann die Sichtbarmachung und Anerkennung der Errungenschaften von Citizen-Science-Projekten gelingen sowie eine stabile Förderung etabliert werden (vgl. Handlungsfeld 5 “Anerkennungskultur”). 
  4. All diese Bedarfe erfordern außerdem eine Implementierung von kontinuierlichen Qualifizierungsangeboten und Gelegenheiten zum Austausch, damit sich die beteiligten Personen auf aktuellem Stand der Forschung und anhand praktischer Best Practices austauschen können. Projektkoordinator:innen sollten über Metakompetenzen verfügen, z.B. über Grundlagen strategischer Kommunikation oder der Partizipation. Sie sollten in der Lage sein, die nötigen Fachkompetenzen, wie z.B. Webdesign oder Journalismus durch Einbindung Dritter zu akquirieren (vgl. Handlungsfeld 3).

 

4.4. Handlungsempfehlungen

Die im Grünbuch eingeschlagenen Wege zu der Nutzung von Synergien zwischen Wissenschaftskommunikation und Citizen-Science sowie die in diesem Weißbuch konkretisierten Vorschläge sollen nach Möglichkeit bis 2030 in die Praxis implementiert werden. Dazu sollen bestehende Strukturen gestärkt und ausgebaut sowie neue Formen entwickelt (siehe folgende Aufstellung) werden. Letztliches Ziel ist die Integration dieser Vorschläge in die Prozesse von Wissenschaft, Politik und praktischer Anwendung. Entlang einer Zuordnung der Maßnahmen zu Adressat:innen und einer Beschreibung der konkreten Zeithorizonte werden die Umsetzungsvorschläge nachfolgend dargestellt bzw. konkretisiert:

(4).1.

  • Strukturell: Der Austausch zwischen Projektbeteiligten sowie Fortbildungsangebote für Projektbeteiligte sollte weiter ausgebaut und gefördert werden. Der Transfer der Erkenntnisse aus dem Forschungsfeld in die Praxis soll verstärkt werden. Für beides bedarf es finanzielle Ressourcen und Strukturen.

  • Operativ: Es sollte eine Wertediskussion darüber geführt werden, welche Werte für die Wissenschaftskommunikation in Citizen Science-Projekten essentiell sind. Aufbauend auf dieser Wertediskussion sollte sich die Community um die Formulierung von Leitlinien und die Erstellung von Leitfäden bemühen.

(4).2.

  • Strukturell: Der Austausch zwischen Projektbeteiligten sowie Fortbildungsangebote für Projektbeteiligte sollte weiter ausgebaut und gefördert werden. Der Transfer der Erkenntnisse aus dem Forschungsfeld in die Praxis soll verstärkt werden. Für beides bedarf es finanzielle Ressourcen und Strukturen.

  • Operativ: Es sollte eine Wertediskussion darüber geführt werden, welche Werte für die Wissenschaftskommunikation in Citizen Science-Projekten essentiell sind. Aufbauend auf dieser Wertediskussion sollte sich die Community um die Formulierung von Leitlinien und die Erstellung von Leitfäden bemühen.

(4).3.

  • Strukturell: Hochschul- und Studiengangsleitungen sollten den Wandel der Gesellschaft zu mehr Wissenschaftsorientierung aufgreifen und die Gelegenheit für einen Change zu mehr Teilhabe der Welt an Wissenschaft nutzbar machen.

  • Operativ: Bereits Studierende, Promovierende und NachwuchsWissenschaftler:innen sollten die Potenziale von Citizen Science kennenlernen und die Verknüpfung zur Wissenschaftskommunikation herstellen können.

  • Operativ: Wissenschaftskommunikations-Seminare sollten grundsätzlich in die Ausbildung des akademischen Nachwuchses einfließen.

(4).4.

  • Strukturell: Wissenschaftskommunikation sollte als zentrales Element in Citizen Science-Projekten entsprechend mit Personal- und Sachmitteln auszustatten sein. Strukturell: Die bestehenden Angebote für entsprechende Qualifizierungen sollten erweitert werden. Dazu ist es nötig, dass Projektverantwortliche, Budget und Zeit für Trainings bei der Beantragung von Citizen Science-Projekten einplanen können.

  • Operativ: Entsprechende Offenheit und Flexibilität in der Ausgestaltung sollten bei den Fördergebern vorliegen; entsprechend sind die Kriterienkataloge und Ausschreibungen zu gestalten.

(4).5.

  • Strukturell: Institutionen sollten Strukturen schaffen für Vernetzung der Kommunikation einzelner Projekte mit der institutionellen Kommunikation mit einem Fokus auf Methoden und Prozessen und Offenheit für den Austausch mit der Zivilgesellschaft.

  • Operativ: Bereits bestehende Strukturen (Pressestelle, Transferbeauftragte, etc.) sollten verstärkt Unterstützung für Citizen Science Projektinitiator:innen anbieten

Seit der Veröffentlichung des Grünbuchs Citizen-Science im Jahr 2016 haben sich die beiden Bereiche Citizen-Science und Wissenschaftskommunikation noch angenähert und sind teilweise bereits zusammengewachsen. Dieser eingeschlagene Weg soll mit den in diesem Weißbuch erarbeiteten Maßnahmen und Handlungsempfehlungen - sowohl auf struktureller als auch auch operativer Ebene  - weiterentwickelt und institutionell verankert werden.

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