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10. Integration in Entscheidungsprozesse

10.1.  State of the Art: Wo stehen wir mit dem Grünbuch?

Der Stellenwert von Citizen-Science hat in den vergangenen Jahren auf deutscher und europäischer Ebene zugenommen. Citizen-Science ist Bestandteil der Open Science Strategie der Europäischen Union [83] und der deutschen Hightech-Strategie 2025 [29]. Zudem hat Bürgerforschung in zentrale forschungspolitische Grundsatzpapiere des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur  Wissenschaftskommunikation [26] und zur Partizipation [84] Eingang gefunden (siehe dazu Handlungsfeld 4 zu den Synergien zwischen Citizen-Science und Wissenschaftskommunikation). Während das Potenzial der Integration von Citizen-Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse auf strategischer Ebene wiederholt formuliert wurde, werden Citizen-Science-Ergebnisse bisher nur selten in konkrete politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbezogen [85,86,87]. Eine Ausnahme bilden ausgewählte Bereiche des Naturschutzes, in denen bereits heute Daten aus Citizen-Science-Projekten zur Erfüllung nationaler und internationaler Berichtspflichten wie dem European Farmland Bird- [88,89] oder dem Grassland Butterfly-Indikator beitragen (vgl. Box 8) [90]. Die Nutzung von Citizen-Science-Ergebnissen im Naturschutz drückt sich u.a. auch durch die strukturelle Verankerung von Citizen-Science in einschlägigen Behörden aus (z.B. Citizen-Science Special Interest Group der European Environment Agency) [53].

BOX 8 Einbindung von Citizen-Science-Ergebnissen in das europäische Biodiversitäts-Monitoring und -Reporting

Citizen-Science spielt für das Monitoring und Reporting der biologischen Vielfalt eine tragende Rolle. Eine Vielzahl an Bürgerwissenschaftler:innen sammeln in ganz Europa teilweise seit mehreren Jahrzehnten Daten, die in detaillierte Artenkartierungen und -listen einfließen. Dies ermöglicht einen Abdeckungsgrad und eine Genauigkeit des Reporting, die durch das offizielle Monitoring alleine nicht erreicht werden könnte. Citizen-Science-Daten liefern damit wichtige Informationen für politische Entscheidungsträger:innen. Konkrete Anwendungsbereiche sind:

Das Pan-European Common Bird Monitoring Scheme (PECBMS), in das ein Netzwerk aus Bürgerforscher:innen Vogelbeobachtungen einspeist. Der daraus erstellte PECBMS Common Farmland Bird Index und der EU Common Bird Index sind anerkannte Indikatoren zur Erfassung der biologischen Vielfalt in Europa und flossen in

  • die Bewertung der ländlichen Entwicklungspläne der Mitgliedstaaten der Europäischen Union,
  • die Beurteilung der EU-Biodiversitätsstrategie und der Fortschritte bei der Erreichung der Sustainable Development Goals (SDGs) und
  • die Monitoring- und Bewertungsmaßnahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ein.

Bürgerwissenschafter:innen aus 20 europäischen Ländern sammeln im Rahmen des European Butterfly Monitoring Scheme (eBMS) umfassende Daten zur Verbreitung von Schmetterlingsarten. Auf Basis dieser Daten wird der Grassland Butterfly Index ermittelt, in den Daten zu 17 Schmetterlingsarten eingehen. Der Indikator dient der Beurteilung des Fortschritts im Rahmen der EU-Biodiversitätsstrategie, der Berichterstattung an die Convention on Biological Diversity und der Bewertung des Fortschritts bei der Erreichung der SDGs. Im Rahmen des von der Europäischen Union finanzierten Projekts Assessing Butterflies in Europe (ABLE) wird das Monitoring derzeit auf Süd- und Osteuropa ausgeweitet.

Die Rote Liste der bedrohten Arten, die von der International Union for Conservation of Nature im Jahr 1964 ins Leben gerufen wurde, hat sich zur umfassendsten Informationsquelle zum Aussterberisiko von Tier-, Pilz- und Pflanzenarten entwickelt (IUCN Red List). Die Rote Liste der IUCN ist damit ein wichtiger Indikator für die weltweite Biodiversität und ein wirkungsvolles Instrument zur Umsetzung politischer Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt. Gefährdete Arten werden auf der Roten Liste anhand von Standardkriterien in Kategorien eingeteilt. Bereits heute fließen in die IUCN-Bewertungen zu Vogelarten Daten aus Citizen-Science-Repositories wie eBird, BirdTrack und xeno-canto ein. Citizen-Science-Daten zu Verbreitungsgebiet, Populationsgröße, Lebensraum und Ökologie, Nutzung und Handel, Bedrohungen und Schutzmaßnahmen helfen dabei, notwendige Schutzmaßnahmen zu treffen.

 

Citizen-Science hat großes Potenzial, zu politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen beizutragen [85,86,91]. Indem Citizen-Science-Projekte z.B. auf lokaler Ebene politikrelevante Fragestellungen beantworten (z.B. kleinräumige Exposition gegenüber Luftschadstoffen) oder Daten über große Raum-Zeitskalen liefern (z.B. Verbreitung von invasiven Tier- und Pflanzenarten), können sie die Grundlage für evidenzbasierte Politikgestaltung bilden [92,93]. Citizen-Science kann in unterschiedlichen Phasen der Politikgestaltung Beiträge leisten, die von der Vorbereitung politischer Entscheidungsprozesse bis zum Monitoring reichen [94]. Politik, die auf Citizen-Science-Ergebnissen basiert, hat das Potenzial, für Bürger:innen relevanter zu werden, da sich politische Lösungen stärker an ihrer Lebenswirklichkeit orientieren. Die Beteiligung von Bürger:innen an der Erhebung, Analyse und Interpretation von Citizen-Science-Daten steigert die Legitimität der Forschungsergebnisse und in weiterer Folge die Akzeptanz von politischen Entscheidungen, die auf Basis dieser Daten getroffen werden [95]. Zudem können Bürgerforscher:innen ein vertieftes Demokratieverständnis entwickeln, indem sie im Rahmen ihrer Forschungstätigkeit Einblicke in die oftmals schwierigen Abwägungsprozesse erhalten, die mit politischen Entscheidungen einhergehen.

Der Konsens, dass Citizen-Science einen Beitrag zu politischen und gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen leisten kann, steht in einem Spannungsverhältnis zur oftmals ausbleibenden Berücksichtigung von Ergebnissen aus Citizen-Science-Projekten in der Realpolitik. Dies spiegelt sich in den Ergebnissen der Citizen-Science-Umfrage 2020 wieder. Circa 58% der 281 Teilnehmer:innen sahen in den Ergebnissen von Citizen-Science-Projekten einen Mehrwert für politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse, da diese ergänzend zu anderen Datenquellen die Grundlage für Entscheidungen bilden können. Etwa 30% gaben an, dass Citizen-Science-Daten eine essenzielle Datengrundlage für Entscheidungsprozesse darstellen. Lediglich 3% der Befragten maßen Citizen-Science-Daten auf Grund unsicherer Datenqualität keinen Wert für Entscheidungsprozesse bei.[1] Für rund 65% 4 der 75 Teilnehmer:innen Forscher:innen liefert Citizen-Science einen Mehrwert, indem durch die gemeinsame Erarbeitung von Forschungsfragen mit Bürger:innen und weiteren Stakeholdern die gesellschaftliche Relevanz von Forschung gestärkt wird. Für 49% der Forscher:innen stellt zudem die effektivere Umsetzung von Forschungsergebnissen einen Mehrwert dar. Die praktische Umsetzung von Forschungsergebnissen aus Citizen-Science-Projekten wird an unterschiedlichen Stellen der Umfrage deutlich. Zwischen 2016 - 2020 besuchten 20% der 199 Befragten Citizen-Science-Veranstaltungen, in denen die Umsetzung von Forschungsergebnissen in Politik und Praxis behandelt wurde. Die gemeinsame Erarbeitung praktischer Maßnahmen auf Basis von Citizen-Science-Ergebnissen und der direkte Austausch mit Politiker:innen wurden von 74% bzw. 72% der 200 Befragten als wichtige Anerkennungsfaktoren für Bürgerwissenschaftler:innen identifiziert. Im Gegensatz dazu stimmten jedoch nur 16% der 276 Befragten zu, dass Citizen-Science derzeit von politischen Entscheidungsträger:innen als valides Instrument geschätzt wird, um Entscheidungen zu treffen. Insgesamt legen die Ergebnisse der Citizen-Science-Umfrage nahe, dass die Bürgerwissenschaft ihr Potenzial in Bezug auf die Integration in Entscheidungsprozesse derzeit nur sehr eingeschränkt entfalten kann.

 

10.2.  Was sind die Bedürfnisse, Möglichkeiten und Herausforderungen?

 

Entwicklung eines gemeinsamen Verständnisses, wie Ergebnisse aus Citizen- Science-Projekten in Entscheidungsprozesse einfließen können

Citizen-Science kann ihren gesellschaftlichen Mehrwert zur Gänze entfalten, wenn ihre Ergebnisse konsequent in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen berücksichtigt werden [84]. Diskrepanzen zwischen der angekündigten Möglichkeit, zu Entscheidungsprozessen beitragen zu können, und dem Ausbleiben der Beteiligung können die Glaubwürdigkeit der betroffenen Entscheidungsprozesse reduzieren und Bürgerwissenschaftler:innen demotivieren. Um dies zu vermeiden, ist es wichtig, dass alle beteiligten Akteur:innen gemeinsam festlegen, ob und ggf. in welcher Form Citizen-Science zum jeweiligen Entscheidungsprozess beitragen kann. Der Beteiligungsgrad sollte von allen Akteur:innen als verbindlich betrachtet und über den gesamten Entscheidungsprozess berücksichtigt werden. Die Festlegung ob und in welcher Form Citizen-Science Beiträge zu Entscheidungsprozessen liefern kann, muss daher am Beginn eines jeden Entscheidungsprozesses stehen. Behörden und Ämter können die Einbindung in Entscheidungsprozesse unterstützen, indem sie dies in ihren Strategien verankern, die Kooperation mit Citizen-Science-Projekten fest in ihr Behördenhandeln integrieren und ihr Personal mit den dafür notwendigen Kompetenzen ausstatten und Handlungsräume ermöglichen.

 

Berücksichtigung relevanter Qualitätsstandards, damit Ergebnisse von Citizen-Science-Projekten in Entscheidungsprozesse einfließen können

Die Sicherung der Datenqualität ist eine zentrale Herausforderung für Citizen-Science-Projekte, wobei häufig Bedenken hinsichtlich Qualität und Transparenz der Datenerhebung, -aufbereitung und -analyse geäußert werden [95,96]. Vergleichbar mit Projekten außerhalb der Bürgerwissenschaften, ist in allen Citizen-Science-Projekten die Einhaltung etablierter Qualitätsstandards sicherzustellen [95]. Neben allgemeinen Qualitätsstandards müssen Citizen-Science-Daten, in zahlreichen Politikfeldern zusätzlich gesetzlich festgelegte Standards erfüllen, bevor sie in Entscheidungsprozesse einfließen können (z.B. Wasserrahmenrichtlinie [WRRL], Monitoring der häufigen Brutvögel MhB, Pan-European Common Bird Monitoring Scheme [PECBMS]) [97,98]. Derzeit sind Daten aus Citizen-Science-Projekten mit diesen Standards nicht oder nur teilweise kompatibel. Um hier Abhilfe zu schaffen, ist es notwendig, dass die spätere Verwertung der Ergebnisse bereits während der Konzeptionsphase von Projekten mitgedacht wird [85]. Die notwendigen Standards und Methoden sollten von Beginn an in den Planungen berücksichtigt und dokumentiert werden, da die Berücksichtigung zu einem späteren Zeitpunkt unter Umständen nur noch bedingt möglich ist. Ein enger Austausch mit den Nutzer:innen der zu erhebenden Daten (z.B. lokale und überregionale Umweltämter oder Naturschutzbehörden) ist hierfür sicherzustellen [85]. Zur Unterstützung frühzeitiger Abstimmungsprozesse kann die Benennung konkreter Ansprechpersonen mit entsprechendem Mandat bei allen beteiligten Akteur:innen sinnvoll sein. Im Rahmen mancher Entscheidungsprozesse sollten zudem Abwägungen getroffen werden, wie sich Daten aus klassischen Forschungsprojekten und Citizen-Science-Ergebnissen sinnvoll ergänzen können [93].

 

Verknüpfung von deliberativen Verfahren und Citizen-Science

In den vergangenen Jahren veränderte sich die Art und Weise, wie sich Bürger:innen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einbringen. Neben die klassische Beteiligung über Wahlen traten in repräsentativen Demokratien zunehmend deliberative Verfahren wie Bürgerbegehren oder Bürgerräte, die insbesondere auf Ebene der Kommunen und Länder von Bedeutung sind [99]. Sowohl deliberative Verfahren als auch Citizen-Science zeichnen sich durch einen hohen Beteiligungsgrad von Bürger:innen aus. Vor diesem Hintergrund ergeben sich vielversprechende Ansatzpunkte für die Verknüpfung von deliberativen Verfahren mit Citizen-Science-Ansätzen, die zu einer wechselseitigen Stärkung führen könnten. Insbesondere bei Entscheidungsprozessen, die mit einem hohen Konfliktpotenzial und geringer Legitimität des Entscheidungsprozesse einhergehen (z.B. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Stadtvierteln, Einrichtung von Windkraftanlagen), könnten deliberative Verfahren durch die Einbindung von Citizen-Science-Ansätzen gestärkt werden. Forschungsergebnisse, die im Rahmen von Citizen-Science-Projekten entwickelt werden und eine hohe Legitimität unter allen Akteur:innen haben, könnten in deliberative Verfahren einfließen und zu einer Versachlichung des Diskurses beitragen. Deliberative Verfahren könnten dadurch gestärkt werden. Bisher fehlt es im deutschen Kontext an Erfahrungen zur Integration von Citizen-Science-Ansätzen in deliberative Verfahren. Vor diesem Hintergrund sollten im Sinne von Reallaboren einschlägige Modellprojekte durchgeführt werden, die u.a. eine systematische Evaluation von Barrieren und Gelingensfaktoren umfassen. Basierend auf den Erfahrungen aus den Modellprojekten sollten mittelfristig strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden und ein entsprechender Kapazitätsaufbau erfolgen, damit Citizen-Science-Ansätze im Erfolgsfall in der Breite in deliberative Verfahren integriert werden können.

 

Schaffung struktureller Voraussetzungen für die Integration von Citizen-Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse

Die Integration von Ergebnissen aus Citizen-Science-Projekten in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ist voraussetzungsreich und personalintensiv. Um die Integration zu gestalten und mit ihr in Zusammenhang stehende Prozesse zu koordinieren, sollten bei den beteiligten Akteur:innen Koordinierungsstellen und weitere strukturelle Voraussetzungen geschaffen werden (z.B. lokale Anlaufstellen in Behörden, Verbänden, Museen oder Universitäten für Citizen-Science). Organisatorisch könnten Koordinierungsstellen z.B. bei bereits bestehenden Wissenschaftsläden oder Reallaboren verankert werden. Die Schaffung struktureller Voraussetzungen für die erfolgreiche und für alle Seiten gewinnbringende Integration von Citizen-Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse ist ein mittelfristiges Vorhaben. Dies kann nur durch eine nachhaltige Strukturförderung realisiert werden. Eine kurzfristige Projektförderung eignet sich nicht, da es selbst am Ende mehrjähriger Projekte in der Regel zu Diskontinuitäten kommt und aufgebautes Wissen verloren geht.

 

Kapazitätsaufbau zur Integration von Citizen-Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse

Die Integration von Forschungsergebnissen in politische und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse ist voraussetzungsreich. Die reicht von der partizipativen Festlegung, ob und inwiefern Citizen-Science-Ergebnisse in Entscheidungsprozesse gewinnbringend zu Entscheidungsprozessen beitragen können bis zur tatsächlichen Berücksichtigung der Ergebnisse in politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen. Für die erfolgreiche Integration von Citizen-Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse sind vielfältige Kompetenzen notwendig, die derzeit noch nicht flächendeckend vorhanden sind. Dies zeigte sich u.a. in der Citizen-Science-Umfrage 2020, in der sich 82% der 88 Teilnehmer:innen Unterstützung und Beratung in Bezug auf die Umsetzung von Ergebnissen von Citizen-Science-Projekten in Politik und Praxis wünschten. Um dem Bedarf an Kapazitätsaufbau gerecht zu werden, sollten einschlägige Aus- und Fortbildungsangebote an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen (z.B. Wissenschaftsläden) geschaffen werden. Politische Entscheidungsträger:innen und Förderinstitutionen sollten hierfür langfristige Anreizstrukturen schaffen.

 

10.3.  Handlungsempfehlungen

 

(10).1.

Entscheidungsträger:innen in Politik und Verwaltung sollten die Integration von Citizen Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse in ihren handlungsleitenden  Strategien verankern und die Kooperation mit Citizen Science-Projekten fest in ihr Behördenhandeln integrieren. Dafür ist es notwendig, dass sie ihr Personal mit allen Mandaten ausstatten, die eine konsequente Integration in Entscheidungsprozesse ermöglichen.

(10).2.

Um die Verwertbarkeit von Citizen Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozessen sicherzustellen, sollten die Citizen Science-Community, Wissenschaftsinstitutionen und die späteren Nutzer:innen der Ergebnisse (z.B. Behörden und Ämter) zu beachtende Standards frühzeitig gemeinsam festlegen. Die verbindlich festgelegten Standards sollten im Anschluss bereits in der Konzeptionsphase von Citizen- Science-Projekten berücksichtigt werden.

(10).3.

Die Citizen Science-Community, zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Entscheidungsträger:innen sollten im Rahmen von Modellprojekten die Integration von Citizen Science-Ansätzen in deliberative Verfahren wie Bürgerbegehren oder Bürgerräte erproben. Die Modellprojekte sollten systematisch wissenschaftlich begleitet werden, um Barrieren und Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Integration und Best-Practice-Beispiele zu identifizieren.

(10).4.

Zivilgesellschaftliche Organisationen und politische Entscheidungsträger:innen sollten strukturelle Voraussetzungen für die erfolgreiche Integration von Citizen Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse schaffen (z.B. Koordinierungsstellen, festgelegte Workflows zur Einbindung von qualitätsgesicherten Citizen Science-Daten in Politikgestaltung, Management und Monitoring).

(10).5.

Zivilgesellschaftliche Organisationen, Wissenschafts- und Bildungsinstitutionen sollten Angebote zum Kapazitätsaufbau (z.B. Aus- und Fortbildungsformate an Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen) schaffen, die Akteur:innen (z.B. Projektkoordinator:innen, Mitarbeiter:innen in Behörden) beim Aufbau von Kompetenzen unterstützen, die für eine erfolgreiche Integration von Citizen Science-Ergebnissen in Entscheidungsprozesse notwendig sind. Zudem sollten praxisorientierte Beratungsangebote für Behörden und Ämter angeboten werden, die eine verstärkte Einbindung von Citizen Science in Entscheidungsprozesse planen.

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